IG Metall Ludwigsfelde
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24.02.2018, 12:02 Uhr

Tarifrunde Metall- und Elektroindustrie 2018

Gestamp steht still – ganztägiger Warnstreik in Ludwigsfelde

  • 01.02.2018
  • Aktuelles

Mitternacht in Ludwigsfelde: Bei Gestamp Umformtechnik im Industriegebiet gehen die Lichter aus. Die Produktion wird angehalten – für 24 Stunden geht nichts mehr. Die Beschäftigten ziehen vor das Werktor. Sie haben die Nase voll von der Verweigerungstaktik der Arbeitgeber in der laufenden Tarifrunde und erhöhen den Druck – mit einem 24-stündigen Warnstreik.

Für 24 Stunden legen die Gestamp-Beschäftigten die Produktion in Ludwigsfelde lahm. Foto: IG Metall

Mit überwältigender Mehrheit von 98,5 Prozent hatten sich die IG Metall-Mitglieder bei Gestamp am Dienstag für diese Maßnahme ausgesprochen. Die Beschäftigten des Autozulieferers hoffen, mit ihrem ganztägigen Warnstreik die Arbeitgeber endlich zu wecken und Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen zu bringen.

Antwort auf abgebrochene Verhandlungen

Am Samstag war auch die fünfte Verhandlungsrunde in Baden-Württemberg ergebnislos geblieben, weil die Arbeitgeber keinerlei Kompromiss-
bereitschaft erkennen ließen. Im Gegenteil: Zugeständnisse, die sie zuvor in kleinen Arbeitsgruppen bereits gemacht hatten, wurden während der Verhandlung zurückgezogen.

Diese Rolle rückwärts beantworten die Kolleginnen und Kollegen der Metall- und Elektroindustrie wie bei Gestamp in Ludwigsfelde bundesweit seit Mittwoch erstmals mit 24-stündigen Warnstreiks. „Es reicht!“, sagt Tobias Kunzmann, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ludwigsfelde. „Die Arbeitgeber müssen ein neues Angebot vorlegen und endlich Bewegung in der Angleichungsfrage der Arbeitszeiten zeigen.“

Angleichung der Ost-Arbeitszeiten an das Westniveau


Die Angleichung der Arbeitszeiten ist auch bei den Gestamp-Beschäftigten eine wichtige Forderung und eine „Frage von Gerechtigkeit“. Sie sind es leid, auch fast drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall noch wie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zweiter Klasse behandelt zu werden. Immer wieder ist an diesem Tag zu hören: Nach so langer Zeit gibt es keinen, „aber auch wirklich keinen vernünftigen oder nachvollziehbaren Grund mehr, warum wir im Osten der Republik Woche für Woche für das gleiche Geld drei Stunden mehr arbeiten müssen als die Kolleginnen und Kollegen im Westen“.

Unmut über die mangelnde Bewegung der Arbeitgeber ist groß

Die Stimmung vor Ort ist gut an diesem Warnstreiktag, an dem die Beschäftigten ihre Arbeitszeit vor dem Werktor verbringen. Die Sonne scheint, aber es ist kalt. Essen und Getränke sind reichlich vorhanden. Für alle drei Schichten werden Warnstreikversammlungen abgehalten. Immer wieder wird klar, wie groß der Unmut über die mangelnde Bewegung der Arbeitgeber und deren Bereitschaft ist, auf die IG Metall zuzugehen. Die IG Metall fordert 6 Prozent mehr Geld für zwölf Monate und Wahloptionen für moderne Arbeitszeitmodelle mit Zuschüssen bei Kindern, Pflege oder belastenden Arbeitszeitmodellen. Darüber hinaus strebt die IG Metall eine Verhandlungsverpflichtung über die Angleichung der Arbeitszeiten zwischen Ost und West an, die den Beschäftigten in Ostdeutschland so wichtig ist.

Kurzer Warnstreik bei Mercedes – Unterstützung für Gestamp-Beschäftigte

Am Nachmittag steht auch die Produktion beim Nachbarbetrieb – bei Mercedes. Für zwei Stunden legen die Kolleginnen und Kollegen der Spätschicht dort ihre Arbeit nieder. Vor ihrem Tor halten sie zunächst eine eigene Warnstreikversammlung ab und ziehen dann ein paar Meter weiter, um die Metallerinnen und Metaller von Gestamp zu unterstützen.


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