IG Metall Ludwigsfelde
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22.05.2018, 02:05 Uhr

Tarifrunde Metall- und Elektroindustrie 2018

Alle Räder standen still in vier Ludwigsfelder Betrieben – Warnstreik für drei Stunden

  • 24.01.2018
  • Aktuelles

Nichts ging mehr ... Drei Stunden standen am Mittwoch vier Ludwigsfelder Betriebe still. 450 Beschäftigte von MTU, Gestamp, Mercedes und Franke haben ihre Arbeit vorübergehend eingestellt und gemeinsam im Ludwigsfelder Klubhaus Stimmung für ihre Forderungen in der laufenden Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie gemacht.

Fotos: IG Metall

Die IG Metall fordert sechs Prozent mehr Geld für zwölf Monate und Wahloptionen für moderne Arbeitszeitmodelle sowie eine Verhandlungsverpflichtung über die Ost-West-Angleichung der Arbeitszeit.

Drei Stunden Warnstreik mit Symbolcharakter

Die Arbeitszeitthematik ist den Beschäftigten in Ludwigsfelde ein besonderes Anliegen. Drei Stunden standen bei MTU, Gestamp, Mercedes und Franke „alle Räder still“. Nicht zufällig dauerte der Warnstreik genau so lange. „Das sind die drei Stunden, die wir im Osten für das gleiche Geld Woche für Woche mehr arbeiten müssen“, rief Tobias Kunzmann, Erster Bevollmächtigter der Geschäftsstelle Ludwigsfelde, den Warnstreikenden zu. „Drei Stunden, die Ost- und Westdeutschland immer noch unterscheiden, auch fast drei Jahrzehnte nach der Wende noch.“ Bislang, so berichtete er den Kolleginnen und Kollegen, war hinsichtlich der Forderung nach Verhandlungsverpflichtung über die Angleichung der Ost-West-Arbeitszeit bei den Arbeitgebern noch keine Bewegung zu spüren. Im Gegenteil: Sie hätten eher deutlich zu verstehen gegeben, „diesen Wettbewerbsvorteil“ verteidigen zu wollen.

Doppelte Mauer zu Fall gebracht

Symbolisch brachte eine Aktion des Ludwigfelder Ortsjugendausschusses (OJA) gleich eine doppelte Mauer zu Fall: die Arbeitszeitmauer und die, „die zwischen uns und unseren Forderungen steht“, erklärte Christian Joachim aus dem OJA. „Wir machen endlich Schluss mit einer fast 30 Jahre andauernden Ungerechtigkeit.“ Denn: „Wir sind nicht weniger wert als unsere Kolleginnen und Kollegen im Westen“, führte OJA-Mitglied Alexander Stumpf weiter aus, „und wir sind auch nicht dümmer und müssen deshalb auch nicht wöchentlich drei Stunden mehr in der Ausbildung verbringen.“

Nächste Eskalationsstufe steht bevor

„Der Kampf geht weiter. Wir ziehen die Zügel an und geben mächtig Gas“, versprach Ilko Vehlow, Tarifsekretär in der IG Metall-Bezirksleitung Berlin-Brandenburg-Sachsen. „Wenn die Arbeitgeber bis Freitag nicht einlenken, werden sie ab nächster Woche mit ganztägigen Warnstreiks zu spüren bekommen, zu was wir in der Lage sind.“

Ludwigsfelde ist warnstreikerprobt

Dass das gerade in Ludwigsfelde keine leeren Drohungen sind, berichtete Herrmann von Schuckmann, langjähriger Erster Bevollmächtigter und Vorgänger von Tobias Kunzmann, den Warnstreikenden im Klubhaus. „Der erste große Warnstreik im Osten“, erinnerte er, „fand Anfang der 1990er Jahre in Ludwigsfelde statt.“  Aus der Vergangenheit könne man lernen, um die Zukunft zu gestalten. „Wenn bundesweit 24-Stunden-Warnstreiks stattfinden, sind das Nadelstiche, die die Arbeitgeber gar nicht mögen“, berichtete er aus seiner Erfahrung.

Signal nach Baden-Württemberg

Mit ihrer gemeinsamen Warnstreik-Kundgebung schickten die Beschäftigten der vier Ludwigsfelder Betriebe deutliche Signale auch nach Baden-Württemberg, wo am Nachmittag die vierte Tarifverhandlung begann. Eine Chance für die Arbeitgeber, die sie nicht ungenutzt verstreichen lassen sollten. Sollten sie ihre Ohren erneut zugehalten haben, „stehen die Zeichen auf Sturm“. Daran ließen Redner und Beschäftigte keinen Zweifel.

 

 Berichterstattung

Fernsehbeitrag im RBB, Brandenburg Aktuell, 24.1.2018

Märkische Allgemeine, 24.1.2018


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