Jugend

Ausbildungsstart im Mercedes-Benz Werk in Ludwigsfelde: Zukunftsperspektive gefordert

11.09.2026 | Am 1. September haben 24 junge Menschen ihre Ausbildung im Mercedes-Benz Werk in Ludwigsfelde begonnen. Die Beschäftigten im Werk leben schon seit geraumer Zeit mit einer ungewissen Zukunft. Im Interview berichtet Kerem Dönmez, Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung im Werk in Ludwigsfelde, über die Stimmung unter den Auszubildenden und die Forderung nach einer Zukunftsperspektive für den Standort.

Kerem Dönmez (Mitte) in Aktion - Alle Fotos: IG Metall

Kerem Dönmez, Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung im Mercedes-Benz Werk Ludwigsfelde

Kerem, in welchen Berufen bildet das Mercedes-Werk Ludwigsfelde aus?

Bei uns werden Elektroniker für Automatisierungstechnik, Kfz-Mechatroniker für PKW und Hochvolttechnik sowie Industriemechaniker ausgebildet. Insgesamt gibt es im ganzen Werk zurzeit rund 80 Auszubildende.

War es schwierig, junge Menschen zu finden, die eine Ausbildung im Werk machen wollen?

Ich denke, die jungen Menschen zu finden, war nicht schwer. Es ist aber schwierig, sie als Beschäftigte nach der Ausbildung im Werk zu halten. Aber wir sind Mercedes. Wir haben einen guten Namen und sind bekannt. Unsere Ausbildung ist auch wirklich gut. Wenn die jungen Kolleginnen und Kollegen hören: „Bis 2030 haben wir ein Produkt, aber was danach passiert, ist unklar, was kommt.“, weckt das Ängste.

Wie ist die Motivation der Auszubildenden?

Alle sind voll motiviert. Ich habe mit allen neuen Kolleginnen und Kollegen geredet und sie freuen sich alle auf die Ausbildung.

Stimmt es, dass die ersten Leute nach der Ausbildung abwandern?

Ja, wir haben einige Kolleginnen und Kollegen, die nach der Ausbildung zu anderen Unternehmen wechseln, weil sie nicht wissen, was in der nächsten Zeit passieren wird.

Wie sicher ist aus Deiner Sicht die Zukunft des Werkes?

Ich habe eine große Sorge, dass wir nach 2030 schrumpfen könnten. Die Zukunft der Automobilindustrie sieht ja insgesamt düster aus. Und ständig wird darüber geredet, dass Beschäftigung in den Automobilwerken abgebaut werden muss.

Was wissen eigentlich die Auszubildenden über die Zukunft des Werks?

Ich glaube, dass nicht alle wissen, was kommen wird. Viele Auszubildende bei uns realisieren noch nicht, was passieren könnte. Das Unternehmen informiert momentan wenig. Wir werden ziemlich im Dunkeln gelassen.

Was fordert ihr als Jugend- und Auszubildendenvertretung?

Wir brauchen unbedingt Klarheit und eine Zukunftsperspektive für uns hier am Standort. Wir haben eine Betriebsvereinbarung, die unsere Ausbildung regelt. Wir fordern, dass unser Werk auch über 2027 hinaus ausbildet. Denn ohne Ausbildung fehlen irgendwann die Fachkräfte. Die Auszubildenden bei uns im Werk sind zufrieden mit ihrer Ausbildung und stolz, ein Teil des Unternehmens zu sein. Aber wir wissen alle nicht, was kommt. Wir brauchen eine Zukunftsperspektive vom Konzern, denn wir wollen hier im Werk arbeiten und in der Region bleiben.

Hintergrund:

Die Zukunft des Mercedes-Benz Werks in Ludwigsfelde ist ungewiss, da die Serienproduktion des Transporters Sprinter bis Ende 2029 auslaufen soll und Berichten zufolge eine Umstrukturierung oder Kooperation mit dem Rüstungskonzern KNDS geprüft wird. Rund 1.800 Beschäftigte des Werks und ihre Familien sind in Sorge um ihre Existenz und haben keine Planungssicherheit.

Das Interview mit Kerem Dönmez, Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung im Mercedes Benz Werk Ludwigsfelde, führten Andrea Weingart und Elias Borak.

Von: aw-eb

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