IG Metall Ludwigsfelde
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05.08.2020, 18:08 Uhr

Corona-Krise

"Die Gesamtsituation bei Rolls Royce kann einem schon Sorgen machen."

  • 15.05.2020
  • Aktuelles

Der Einbruch des Flugverkehrs infolge der Corona-Krise trifft auch das Rolls Royce-Werk in Dahlewitz hart. Aufgrund weggebrochener Aufträge musste die Produktion bereits deutlich zurückgefahren werden. Im Interview erklärt der Betriebsratsvorsitzende Guido Höhn, was das für die Kolleginnen und Kollegen bedeutet.

Guido Höhn, Betriebsratsvorsitzender bei Rolls Royce in Dahlewitz - Foto: IG Metall

Wie ist die Situation momentan bei Euch im Betrieb? Macht Ihr Euch Sorgen um die Zukunft?

Die Gesamtsituation bei Rolls Royce kann einem schon Sorgen machen. Der Flugverkehr ist europaweit um 90 Prozent eingebrochen, weltweit um 82 Prozent. Die Airlines haben zum Großteil ihre Bestellungen geschoben oder storniert und die Hersteller ihre Produktion deutlich zurückgefahren. Auch bei uns ist von einem Zurückfahren der Produktion um 30 bis 35 Prozent bei der Neuherstellung und um 40 Prozent beim Repair die Rede. Bei uns arbeiten rund 60 Prozent der Ingenieure mittlerweile im Homeoffice und wir beginnen ab dem 20. Mai mit Kurzarbeit. Der Umfang steht noch nicht ganz fest. Aber ab Juni ist von etwa 30 Prozent und im Juli auch für die Produktion die Rede.

Wenn die Flugzeugindustrie und vor allem die Airlines nicht mit Staatsmitteln unterstützt werden, wird die Krise heftig. Nach dem 11. September hat es auch gut zwei Jahre gedauert, bis wir uns vom Einbruch erholt haben.

Der Konzern in England und weltweit kennt das Mittel der Kurzarbeit so nicht und entlässt deshalb sehr viel schneller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Für uns in Deutschland ist die Kurzarbeit das Mittel der Wahl, mit dem wir die Beschäftigung am Standort halten wollen.

 

Wie sind die bisherigen Verhandlungen zum Thema Kurzarbeitergeld gelaufen und welche Absicherung habt Ihr vereinbart? Gibt es bei der Umsetzung Schwierigkeiten oder Fragen?

Es waren rund um die Krise konstruktive, aber auch anstrengende und zum Teil lange Verhandlungen bis in die Nacht hinein. Wir haben eine Aufstockung für die Kurzarbeit mit dem Vorbild der Aufzahlungsstaffeln aus Baden-Württemberg erreicht, bei dem unsere Kolleginnen und Kollegen mit dem monatlichen Nettoentgelt zwischen 80 und 90 Prozent abgesichert sind. Fragen gab es bislang noch nicht sehr viele, weil wir erst zum 20. Mai mit der Kurzarbeit begonnen haben. Zuvor gab es eine zweiwöchige Betriebsruhe, die die Kolleginnen und Kollegen mit der verpflichtenden Umwandlung von tariflichem Zusatzgeld in freie Tage belegen konnten. Wir haben auch den Kreis der Anspruchsberechtigten leicht ausgeweitet. So hatten Eltern mit Kindern bis zum 14. Lebensjahr acht Tage bezahlte Freistellung. Damit konnte der Betriebsurlaub über Ostern komplett abgedeckt werden.

 

Wie sieht die Arbeit unter Covid 19-Bedingungen aus? Habt Ihr Vereinbarungen zum Thema Arbeitsschutz und Gefährdungsbeurteilung getroffen? Wie geht Ihr mit Risikogruppen und Eltern um, die ihre Kinder betreuen müssen?

Wir haben zum Schutz der Kolleginnen und Kollegen umfangreich und schnell reagiert. Bis heute können Risikogruppen im Homeoffice arbeiten oder bleiben bezahlt zu Hause. Unter Einbeziehung von Gefährdungsanalysen, die mit den Betriebsärzten im Einzelfall erstellt wurden, kann auch im Betrieb gearbeitet werden. Die Kantine war über lange Zeit geschlossen und hat nur Lunchpakete verteilt. Wir halten die empfohlenen Abstände von eineinhalb Meter ein. Wir haben ohnehin eine relativ großzügige Produktion. Wir stellen schließlich keine Untertassen her. Wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, wurden Masken verteilt. Der Umgang mit dem Thema Kinderbetreuung ist ziemlich schwierig. Eine generelle Lösung konnten wir mit dem Arbeitgeber nicht vereinbaren. Wir haben uns allerdings verabredet, in jedem Einzelfall individuelle Lösungen zu finden.