IG Metall Ludwigsfelde
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03.12.2021, 00:12 Uhr

Jörg Schreiner von Schaeffler Luckenwalde im Interview

  • 18.07.2017
  • Aktuelles, Metall- und Elektroindustrie

Arbeiten in der Metall- und Elektroindustrie bei uns in der Region ist häufig mit Schicht- und Wochenendarbeit verbunden. Dabei ist es üblich, dass als Ausgleich für die Schichten am Wochenende die tariflich festgeschriebene Arbeitszeit spürbar reduziert wird. Bei Gestamp wird beispielsweise im 21-Schichtsystem mit vollem Lohnausgleich 32 Stunden pro Woche gearbeitet.

Jörg Schreiner

Grund genug, sich bei den Kolleginnen und Kollegen bei Schaeffler über die Schichtsysteme zu erkundigen. Dort wird seit Jahren je nach Abteilung in 15, 18 oder 21 Schichten gearbeitet. Wir haben Jörg Schreiner zum Schichtsystem befragt. Jörg Schreiner ist Vertrauensmann und Nachrücker im Betriebsrat.

Du arbeitest seit Jahren in den unterschiedlichen Schichtsystem bei Schaeffler. Wie sehen die einzelnen Modelle aus?

Jörg Schreiner: Bei 18 Schichten werden die Schichten immer zu Blöcken von zwei Tagen hintereinander zusammengefasst. Wir rotieren vorwärts und arbeiten sechs Tage am Stück. Danach sind drei Tage frei. Damit ist die tarifliche Arbeitszeit erfüllt.

Im 21-Schichtsystem gibt es neben den Zweierblöcken auch pro Woche ein Dreierblock. Also beispielsweise zwei Früchschichten, zwei Spätschichten, drei Nachtschichten, zwei Tage frei, zwei Frühschichten, zwei Spätschichten, zwei Nachschichten, drei Tage frei usw.

In dem System gibt es zusätzlich drei Tage zur freien Verfügung, die zusätzlich eingeplant werden können.

Ihr habt Euch letztlich für einen kurzen Wechsel entschieden. Dies gilt in Verbindung mit der Vorwärtsrotation als das unter Arbeitsmedizinern am wenigsten belastende Modell. Was sind Eure Erfahrungen damit?

Jörg Schreiner: Unsere Praxis bestätigt das. Der Krankenstand ist den Bereichen mit 18 und 21 Schichten eher niedriger als im normalen Schichtbetrieb. Wir haben in den vergangenen Jahren viel ausprobiert und immer wieder die Kolleginnen und Kollegen dazu befragt. Letztlich hat sich eine Mehrheit für den kurzen Wechsel, so wie jetzt praktiziert, entschieden.

Jeder hat so seine Lieblingsschicht und eine, mit der er nicht so zurechtkommt. Die "schlechte" Schicht dauert dann aber beim kurzen Wechsel eben auch nur kurz.

Ihr wechselt in den Abteilungen auch häufig zwischen 21, 18 und 15 Schichten. Wollen die Leute gerne zurück ins 15-Schichtsystem?

Jörg Schreiner: Das ist natürlich unterschiedlich. Am Wochenende arbeitet niemand gerne. Der auch aktuell wieder anstehende Wechsel vom 18-Schichtsystem in 15 Schichten löst aber bei den Wenigsten Begeisterung aus. Viele wollen den kurzen Wechsel am liebsten behalten.

Aus der großen Beschäftigtenbefragung der IG Metall ist erkennbar, dass Eure Leute sehr viel unzufriedener sind mit ihren Arbeitszeiten als der Durchschnitt innerhalb unserer Geschäftsstelle und erst recht im Vergleich zur bundesweiten Situation. Wie erklärst Du Dir das?

Jörg Schreiner: Die Stimmung bei uns ist momentan sehr schlecht, weil es eine große Unruhe in der Fabrik gibt. Unsere Kunden rufen sehr kurzfristig hohe Stückzahlen ab oder stornieren sie wieder. Es gibt schon bei den Aufträgen sehr viel hin und her. Auch in der innerbetrieblichen Organisation läuft nicht alles rund. Das bedeutet für die Kolleginnen und Kollegen, dass es viel Wechsel innerhalb der Schichtsysteme, zum Teil Zusatzschichten und häufig ausfallende Schichten gibt. Dazu kommt noch, dass die Kolleginnen und Kollegen oft in den Bereichen springen müssen, so dass man sich schlecht auf "seinen Arbeitsplatz" einstellen kann. Das alles führt zu schlechter Stimmung und großer Unzufriedenheit.

Schichtmodell